Am Ende dieser Seite gibt es Fotogalerien, um die schönen Seiten des Kongsfjord zu illustrieren. Einfach runter scrollen oder per Klick die Abkürzung nehmen:
Blick von der Blomstrandhalvøya in den Kongsfjord.
Allgemeines: Der Kongsfjord und Ny-Ålesund
Der Kongsfjord ist ein landschaftlich sehr schönes und abwechslungsreiches Gebiet mit vielen Fjorden und Buchten. Geschichtlich Interessierten hat er viel zu bieten. Vor allem die Siedlung Ny-Ålesund zieht viele Touristen auf Expeditions- und Kreuzfahrtschiffen an. Seit 2014 dürfen allerdings Schiffe, die Schweröl an Bord haben, nicht mehr in die Nationalparks fahren, wodurch Ny-Ålesund in der Praxis seitdem für größere Kreuzfahrtschiffe unzugänglich ist.
Teile des Gebietes liegen innerhalb des Nordwest-Spitzbergen-Nationalpark und sind somit geschützt. Die Lovénøyane, die Nordseite der Blomstrandhalvøya (mit Inselchen) und das Inselchen Guissezholmen am Kap Guissez zwischen Kongs- und Krossfjord sind Vogelschutzgebiete, somit gilt hier von 15. Mai bis 15. August »Betreten verboten«. Das Ossian Sarsfjellet ist ein Naturreservat, dort darf nicht gezeltet werden und Landgänge sind für Touristen verboten.
Ny-Ålesund wird häufig besucht, was nicht allen gefällt, die in diesem kleinen Ort arbeiten. Daher gibt es ein paar besondere Regeln für Besucher (im Ort bleiben, auf den Wegen bleiben, in keine Gebäude gehen abgesehen von Besucherzentrum/Museum/Laden, keine wissenschaftlichen Geräte berühren, keine Tiere ärgern). Ab 2015 hat das Schwerölverbot die Anzahl der größeren Schiffe und damit den Besucherstrom allerdings deutlich reduziert.
Häuser in Ny Ålesund vor der Berg- und Gletscherkulisse des inneren Kongsfjord.
Ansonsten ist die Blomstrandhalvøya ein beliebtes Exkursionsziel mit interessanter Flora, Fauna, Geschichte und schönen Wandermöglichkeiten.
Tiefer im Kongsfjord reizen die schönen Gletscher, und der eine oder andere Vogelfelsen ist zumindest für kleine Gruppen und geübte Wanderer ein lohnenswertes Exkursionsziel.
Panoramen im Kongsfjord
Natürlich gibt es auf dieser Webseite eine ganze Reihe Panoramen, die es Ihnen ermöglichen, sich virtuell mitten in diese schöne Landschaft zu versetzen:
Ny-Ålesund: virtueller Rundgang durch die Siedlung.
Ossian Sarsfjellet. Naturreservat mit reicher Flora, Vogelfelsen und toller Aussicht.
Die Tyskehytte, nicht weit von den Gletschern entfernt, war die Basis einer Expedition von DDR-Forschern, die dort 1964-65 überwinterten und sich schwerpunktmäßig der Gletscherkunde widmeten.
Roald Amundsen in Ny-Ålesund vor dem „Blauen Haus“
(die ehemalige Koldewey-Station des Alfred-Wegener-Institutes. In diesem Gebäude befinden sich heute nur noch Unterkünfte und Büros).
Geologie
Vielfältig. Im Kongsfjord ist das geologische Mosaik ziemlich kompliziert. Auf der Nordseite gibt es schwach metamorphe Grundgebirgs-Karbonate (»Marmor«), z.B. auf der Blomstrandhalvøya, wo Optimisten der Northern Exploration Company einmal Bergbauversuche gestarten haben (siehe »Geschichte«). Im innersten Kongsfjord stehen vor allem devonische bis permokarbonische Sedimente an, die im Alttertiär ebenfalls stark deformiert wurden, aber nicht metamorph sind. Dieses Mosaik aus braunroten Sandsteinen und Konglomeraten aus dem Devon (»Old Red«) und gelbbraunen, jüngeren Kalk- und Sandsteinen, die wegen der vielfältigen Deformationen direkt auf- bzw. nebeneinander liegen in enger Nachbarschaft zum Grundgebirge, ist landschaftlich reizvoll. Wer geologisch interessiert ist, kann im innersten Kongsfjord Gesteine vom Grundgebirge bis ins obere Paläozoikum (Old Red und Permokarbon) sehen, mit deutlichen Falten und Störungen. Macht richtig Spaß!
Auf der Blomstrandhalvøya liegen auffällig viele Findlinge herum, teilweise aus groben Old-Red-Konglomeraten, teilweise auch aus Schiefern, die versteinertem Holz täuschend ähnlich sehen.
Geologisches Mosaik östlich des Kongsfjord. Auffällig ist das rötliche Old Red mit einer steileren Kappe aus harten permokarbonischen Karbonaten.
Die Brøggerhalvøya besteht aus einem Mosaik aus stellenweise Grundgebirgsgestein, Permokarbon und alttertiären Sandsteinen, Konglomeraten. Letztere sind flözführend und waren die Grundlage für den Steinkohlebergbau in Ny-Ålesund, der allerdings 1962 eingestellt wurde. Sowohl die starke Deformation der hier unter dem Meeresspiegel liegenden Flöze als auch der hohe Methangehalt, der mehrfach zu Grubenexplosionen und somit zu schweren Unglücken führten, trugen schließlich zur Aufgabe der Grube bei, der konkrete Anlass war eine Explosion mit mehreren Todesopfern.
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Landschaft
Abwechslungsreich, schon aufgrund des geologischen Mosaiks (s.o.). Gebirgig mit relativ wenig eisfreiem Flachland, das Landesinnere ist stark vergletschert, und einige große Gletscher kalben in den inneren Kongsfjord. Auffällig sind teilweise die von zerriebenen Old-Red-Gesteinen kräftig rot gefärbten Schmelzwässer beim Kongsvegen. Bekannt sind die Tre Kroner (»Drei Kronen«), drei markante Berggipfel östlich des Kongsfjord: Svea, Dana, Nora (Schweden, Dänemark, Norwegen). Auf der Südseite des Kongsfjord sowie im Eingangsbereich gibt es größere, eisfreie und recht flache Küstenvorländer.
Der Kronebreen und zwei der drei markanten Berge Tre Kroner in schönstem Septemberlicht.
Flora und Fauna
Stellenweise schöne Tundravegetation, soweit die Topographie dies erlaubt. Die Tierwelt besteht vor allem aus einer reichen Vogelfauna mit verschiedenen Seevogelkolonien an steilen Klippen mit Dickschnabellummen und Möwen. Die Tundragebiete sind wichtige Sammelplätze für Gänse, vor allem Weißwangengänse. Auf den Inseln brüten Eiderenten in großen Zahlen. Auf der Tundra gibt es Füchse und Rentiere.
Schon Ny-Ålesund hat faunistisch eine Menge zu bieten: Weißwangengänse, Füchse, Küstenseeschwalben, die Sie attackieren (einfach weggehen und keinesfalls nach den Vögeln schlagen!), Eisente und vielleicht sogar die Elfenbeinmöwe beim Hundehof, Eisenten und eine Reihe weiterer interessanter Arten. Die Artenvielfalt im Ort scheint in jüngeren Jahren allerdings etwas abgenommen zu haben. Vielleicht hängt das mit der seit Jahren herrschenden Bautätigkeit und dem Verkehr zusammen.
Eine faunistische Besonderheit ist die Falkenraubmöwe, die in Spitzbergen nur an ganz wenigen Stellen brütet, darunter die Blomstrandhalvøya, und dort mit Glück gut zu beobachten ist.
Vogelfelsen am Ossian Sarsfjellet mit Dreizehenmöwen und Dickschnabellummen.
Geschichte
Der Kongsfjord war schon den Walfängern bekannt, und Gräber bzw. Specköfenreste gibt es auch zumindest in der Engelsbukta südlich des Kongsfjord. Die Nutzung der schon im 17. Jahrhundert zumindest in Form von Geröll am Strand entdeckten Kohlevorkommen auf der Südseite des Kongsfjord – damals Kings Bay – begann allerdings erst im frühen 20. Jahrhundert dort, wo heute Ny-Ålesund ist (siehe auch Bergbau bei der historischen Übersicht). Der Abbau verlief aber stockend und wurde immer wieder unterbrochen, von wirtschaftlichen und technischen Schwierigkeiten wie auch vom Krieg. 1962 schließlich wurde der Bergbau nach mehreren Grubenunglücken mit vielen Todesopfern endgültig eingestellt.
Mittlerweile hat sich in Ny-Ålesund unter norwegischer Koordination eine internationale Forschungssiedlung etabliert, in der verschiedene Nationen jeweils Stationen betreiben. Auch das deutsche Alfred-Wegener-Institut betreibt hier ganzjährig eine Forschungseinrichtung, die Koldewey-Station.
Der berühmte Mast, an dem Amundsen und Nobile ihre Luftschiffexpeditionen starteten“.
Bei Kvadehuken im Eingangsbereich des Kongsfjord befand sich 1920-24 eine norwegische Wetterstation.
Interessant und typisch für diese Zeit Spitzbergens ist der Bergbau auf der Blomstrandhalvøya. Die englische Northern Exploration Company etablierte hier früh im 20. Jahrhundert eine kleine Siedlung, genannt Marble Island, London oder Ny-London, zum Abbau der Marmorvorkommen, deren Qualität allerdings drastisch überschätzt wurde. Nach wenigen Sommern Probebetrieb wurden die Aktivitäten wieder eingestellt, Reste sind heute noch vor Ort sichtbar.
Häuser aus der Zeit des Marmorbergbaus auf der Blomstrandhalvøya: Ny London
(auch „Marble Island“ oder „Camp Mansfield“ genannt).
Kongsfjord Fotogalerie 1: Amundsen & Co – Ny-Ålesund
Lofoten, Jan Mayen und Spitzbergen aus der Luft – Dieses Buch ist eine Luftbildreise durch die Landschaften des arktischen Norwegens: die Lofoten, Jan Mayen und Spitzbergen.
Das Buch zum Poster Svalbardhytter. Das Poster visualisiert die Vielfalt der Hütten Spitzbergens in einer Vielfalt arktischer Landschaften. Dieses Buch erzählt die Geschichten der Hütten auf drei Sprachen.
Spitzbergen – Svalbard. Arktische Naturkunde und Geschichte in Wort und Bild. Hintergründe, Routen & Regionen, Praktisches. Umfassender Reiseführer zur arktischen Inselgruppe Spitzbergen mit 592 Seiten.
Scoresbysund Hot Dogs – Mit Hundeschlitten in Grönland
Hundeschlittenfahrten auf der Rückseite von Grönland - Grönland ist nicht gerade der Nabel der Welt. Die meisten Grönländer leben an der Westküste ihrer Insel, so dass die fast unbewohnte Ostküste selbst in Grönland einen Ruf von Abgelegenheit genießt – es ist die »Rückseite« von Grönland.
Nach einer Reihe von Besuchen auf der wilden, faszinierenden Insel Jan Mayen musste ich einfach aufschreiben, was es dazu zu wissen gibt, da gute Literatur, soweit überhaupt vorhanden, bislang nur auf englisch und norwegisch vorhanden ist.
Eine Skiwanderung im Liverpool Land – Im Lichtwinter haben wir – fünf Menschen und ein Hund – eine vierwöchige Skiwanderung im Osten von Grönland gemacht und dabei eine Menge erlebt. Mein ausführliches Tagebuch von dieser Tour habe ich in überarbeiteter Form als Buch herausgebracht.
Die Lebensgeschichte von Cymba, dem Albatros aus Südgeorgien - Die Nebel der Zeit von James McQuilken, übersetzt und herausgegeben von Rolf Stange, Deutsche Erstausgabe im November 2012.